Es gibt nicht den besten Tankgeber, sondern für jede Kombination aus Medium, Tankform und Einbausituation einen passenden. Wer mit dem Messprinzip anfängt statt mit dem Produkt, kommt in vier Schritten zur richtigen Wahl.
Die vier Messprinzipien
Schwimmer. Ein Körper schwimmt auf der Flüssigkeit und bewegt über einen Hebel oder einen Schleifer ein Signal. Einfach, günstig, verbreitet — und mit beweglichen Teilen im Medium. In Abwasser und Fäkalien ist das die Schwachstelle: Was sich bewegen muss, verschmutzt und blockiert.
Hydrostatischer Druck. Eine Sonde am Tankboden misst den Druck der Flüssigkeitssäule darüber. Der Druck hängt nur von der Höhe ab, nicht von der Tankform — das macht dieses Prinzip unabhängig von der Geometrie. Keine beweglichen Teile.
Ultraschall. Ein Sensor sendet von oben einen Impuls und misst die Laufzeit bis zur Oberfläche. Ebenfalls ohne bewegliche Teile im Medium. Empfindlich gegen Schräglage, Schwappen und Schaum, und mit einer Totzone direkt unter dem Sensor.
Von außen durch die Tankwand. Der Sensor wird außen aufgeklebt und misst hindurch. Kein Eingriff in den Tank, kein Leckagerisiko — dafür abhängig von Wandmaterial und -dicke.
Schritt eins: das Medium
Das Medium schließt Optionen aus, bevor irgendetwas anderes betrachtet wird.
- Abwasser und Fäkalien. Hier scheiden mechanische Schwimmergeber praktisch aus — sie verschmutzen. Ultraschall von oben ist dafür die typische Lösung, hydrostatische Sonden sind ebenfalls geeignet.
- Wasser. Fast alles ist möglich; hier entscheiden Tankform und Einbausituation.
- Diesel. Hydrostatische Sonden gibt es in einer für Diesel freigegebenen Ausführung — die Materialfrage ist hier keine Nebensache.
- Benzin, Kerosin, Petroleum und explosionsgefährdete Bereiche. Dafür sind die üblichen Tauchsonden ausdrücklich nicht zugelassen. Hier gehört geprüft, was zulässig ist, bevor irgendetwas bestellt wird.
WarnungDie Materialfreigabe für das Medium ist keine Empfehlung, sondern eine Bedingung. Eine Sonde in einem Medium, für das sie nicht freigegeben ist, kann undicht werden — und bei brennbaren Flüssigkeiten ist das kein Messproblem mehr.
Schritt zwei: die Tankform
Ein rechteckiger Tank ist der einfache Fall. Tanks, die dem Rumpf oder dem Möbelbau folgen, sind es nicht: Halbe Höhe bedeutet dort nicht halbes Volumen.
Alle Höhenmessverfahren — Schwimmer, Hydrostatik, Ultraschall — messen Höhe. Die Umrechnung in Volumen übernimmt die Anzeige beziehungsweise das Interface über eine Kennlinie. Bei unförmigen Tanks ist die Kompensation deshalb kein optionales Feintuning, sondern Voraussetzung für eine brauchbare Anzeige.
Die Frage nach der Tankform beeinflusst außerdem die Einbaulänge: Sonden und Ultraschallgeber gibt es in mehreren Längen, und die richtige richtet sich nach der Tankhöhe, nicht nach dem Volumen.
Schritt drei: die Einbausituation
Drei Fragen entscheiden hier:
- Komme ich an den Tank von oben heran? Ultraschall und Tauchsonden brauchen eine Durchführung in der Tankdecke.
- Darf ich den Tank öffnen? Bei eingebauten oder schwer zugänglichen Tanks ist das oft der Ausschlusspunkt — dann bleibt nur die Messung von außen.
- Bewegt sich das Fahrzeug oder Schiff stark? Schräglage und Schwappen treffen Ultraschall am stärksten und Hydrostatik am wenigsten.
Schritt vier: das Ausgangssignal
Erst zum Schluss stellt sich die Frage nach dem Signal — und sie ist die am einfachsten zu lösende, weil es Interfaces gibt, die dazwischen übersetzen.
- Widerstand 10–180 Ohm oder 240–33 Ohm. Die beiden verbreiteten Kennlinien für analoge Rundinstrumente.
- Stromsignal 4–20 mA. Unempfindlich gegen lange Leitungen, typisch für Tauchsonden.
- Spannungssignal 0,5–2,5 V. Typisch für Ultraschallgeber.
Passt das Signal des Gebers nicht zur vorhandenen Anzeige, ist das kein Grund, den Geber zu wechseln: Ein Universal-Tankinterface wandelt zwischen den Formen und lässt sich über eine einstellbare Tankhöhe auf die Geometrie kalibrieren. Bei digitalen Systemen übernimmt das Tankinterface diese Aufgabe und versteht alle genannten Signalarten gleichzeitig.
Wenn ein Grenzwert reicht
Nicht jede Frage braucht einen Füllstand. Manchmal lautet sie nur: voll oder nicht voll, leer oder nicht leer. Dafür genügt ein Schwimmerschalter — zwei Zustände statt einer Kurve.
Typische Fälle sind eine Warnung für den Fäkalientank, eine Trockenlaufsicherung für eine Pumpe oder eine Bilgeüberwachung. Ein Grenzwertgeber ist dort nicht die billigere Lösung, sondern die passende.
Typische Fehler bei der Auswahl
- Mit dem Produkt begonnen statt mit dem Medium. Das Medium schließt Optionen aus — alles andere wählt danach.
- Ultraschall im Treibstoff- oder Wassertank. Bei Schräglage, Seegang und vollem Tank wird die Messung unzuverlässig.
- Kennlinie für die Tankform vergessen. Der häufigste Grund für eine Anzeige, der niemand glaubt.
- Geber nach der vorhandenen Anzeige gewählt. Dafür gibt es Interfaces — der Geber sollte zum Tank passen, nicht zum Instrument.
- Einbaulänge nach Volumen bestimmt. Maßgeblich ist die Höhe des Tanks.
