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Stromkreise auf die Schalttafel aufteilen: Anzahl und Nennströme

6 Min Lesezeit
Kurz beantwortet

Einen eigenen Stromkreis rechtfertigen vier Kriterien: unabhängige Bedienung, unterschiedliche Wichtigkeit, hohe Stromaufnahme und erhöhte Fehlerwahrscheinlichkeit. Auf die so ermittelte Zahl kommen ein bis zwei Reservekreise. Der Nennstrom des Schutzschalters richtet sich nach der Leitung, nicht nach dem Verbraucher: über der Anlaufspitze, unter der Strombelastbarkeit des Querschnitts.

Die Frage „wie viele Stromkreise brauche ich“ wird fast immer zu knapp beantwortet. Und die Frage „mit welchem Nennstrom“ fast immer nach dem Verbraucher statt nach der Leitung. Beides sind die Fehler, die eine Tafel nach zwei Jahren zu klein und unsauber abgesichert dastehen lassen.

Was einen eigenen Stromkreis rechtfertigt

Ein eigener Stromkreis ist kein Luxus, sondern das Mittel, mit dem sich ein Fehler eingrenzen lässt. Vier Kriterien sprechen jeweils für eine Trennung:

  • Unabhängige Bedienung. Was getrennt geschaltet werden soll, braucht einen eigenen Kreis. Das ist das häufigste und einfachste Kriterium.
  • Wichtigkeit. Verbraucher, die auch dann laufen sollen, wenn anderes ausfällt — Navigation, Beleuchtung in Gehwegen, Lüftung — gehören nicht mit Komfortverbrauchern zusammen.
  • Stromhöhe. Ein großer Verbraucher zwingt den ganzen Kreis auf einen hohen Nennstrom — und damit auf einen dicken Querschnitt für alle Abnehmer daran.
  • Fehlerwahrscheinlichkeit. Was draußen sitzt, feucht wird oder bewegt wird, fällt eher aus. Solche Verbraucher separat zu führen, verhindert, dass ihr Fehler den halben Innenraum dunkel macht.

Wie viele Kreise es tatsächlich werden

Die verlässliche Methode ist eine Liste, kein Bauchgefühl. Jeder Verbraucher kommt in eine Zeile, dahinter die Frage, ob er mit einem anderen zusammen geschaltet werden darf. Was übrig bleibt, ist die Anzahl.

Auf diese Zahl kommt Reserve. Ein bis zwei freie Kreise sind der Unterschied zwischen „einen Verbraucher nachrüsten“ und „die Tafel tauschen“. Erfahrungsgemäß sind sie nach der ersten Saison belegt — nicht weil man schlecht geplant hat, sondern weil im Betrieb Bedürfnisse sichtbar werden, die vorher niemand nennen konnte.

HinweisDie Kreise auf einer bestehenden Tafel lassen sich nicht vermehren. Reserve ist deshalb die einzige Flexibilität, die man beim Kauf mitnehmen kann — alles andere kostet später eine neue Tafel.

Den Nennstrom bestimmen

Die Schutzschalter gibt es in mehreren Abstufungen — der übliche Standardwert liegt bei 10 A, darüber hinaus sind kleinere und größere Nennströme erhältlich. Die Auswahl folgt einer Regel, die älter ist als jede Tafel:

Die Sicherung schützt die Leitung, nicht das Gerät.

Daraus ergibt sich die Reihenfolge: erst den Betriebsstrom des Verbrauchers feststellen, dann seine Anlaufspitze, dann den benötigten Querschnitt über Länge und zulässigen Spannungsfall bestimmen, dann dessen Strombelastbarkeit — und der Nennstrom liegt zwischen Anlaufspitze und Belastbarkeit.

Findet sich dort kein passender Wert, ist der Querschnitt zu klein. Den Nennstrom anzuheben, um das Auslösen zu vermeiden, kehrt den Schutz genau um.

Verbraucher sinnvoll gruppieren

Wo mehrere Verbraucher an einem Kreis hängen sollen, gelten zwei Regeln.

Erstens: Der Nennstrom richtet sich nach der Summe im Gleichzeitigkeitsfall, der Querschnitt nach dem Nennstrom. Vier Leuchten zu je 1 A auf einem 10-A-Kreis sind unproblematisch; vier Pumpen zu je 4 A sind es nicht.

Zweitens: Verbraucher, die zusammen an einem Kreis hängen, fallen zusammen aus. Das ist bei Beleuchtung im selben Raum akzeptabel und bei Navigation und Kaffeemaschine nicht.

Beschriftung ist Teil der Planung

Die Beschriftung entsteht nicht nach dem Einbau, sondern mit der Liste. Wer sie später nachträgt, beschriftet nach dem, was er sich erinnert — und das stimmt nicht überall.

Sinnvoll sind Bezeichnungen, die eine dritte Person versteht: „Beleuchtung Salon“ statt „Licht 2“. Und die Belegung gehört zusätzlich auf ein Blatt im Technikbereich, mit Nennstrom und Querschnitt je Kreis — das ist die Unterlage, die man bei jeder späteren Fehlersuche zuerst braucht.

Typische Fehler

  • Zu wenige Kreise. Der Fehler, der sich nachträglich am teuersten korrigieren lässt.
  • Nennstrom nach dem Verbraucher gewählt. Maßgeblich ist die Leitung.
  • Wichtige und unwichtige Verbraucher gemischt. Ein Fehler am Komfortverbraucher legt dann Wesentliches still.
  • Keine Reserve. Ein bis zwei freie Kreise sind die einzige Flexibilität, die man kaufen kann.
  • Beschriftung nachgetragen. Sie stimmt dann nur ungefähr — und ungefähr hilft bei der Fehlersuche nicht.
FAQ

Häufige Fragen

Wie viele Stromkreise brauche ich?

So viele, wie sich aus einer Liste aller Verbraucher ergeben, bei der je Zeile geprüft wird, ob der Verbraucher mit einem anderen zusammen geschaltet werden darf. Auf diese Zahl kommen ein bis zwei Reservekreise — sie sind nach der ersten Saison erfahrungsgemäß belegt.

Nach der Leitung. Der Wert liegt über der Anlaufspitze des Verbrauchers und unter der Strombelastbarkeit des verlegten Querschnitts. Findet sich dort kein passender Wert, ist der Querschnitt zu klein — nicht der Nennstrom zu niedrig.

Ja, solange die Summe im Gleichzeitigkeitsfall zum Nennstrom passt und der Querschnitt zum Nennstrom. Zu bedenken ist dabei: Verbraucher an einem Kreis fallen zusammen aus — bei Beleuchtung im selben Raum akzeptabel, bei Wichtigem und Unwichtigem nicht.

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