Eine Momentanzeige sagt, wie voll die Batterie jetzt ist. Ob die Anlage über die Woche wieder auf denselben Stand kommt, sagt sie nicht — dafür braucht es den Verlauf. Die Control Unit PCU zeigt den Ladezustand über die letzten 30 Tage, und in dieser Kurve steckt der größte Teil dessen, was sich über eine Anlage aus der Ferne sagen lässt.
HinweisDer 30-Tage-Verlauf steht zur Verfügung, wenn eine BullTron-Batterie direkt über den P-Bus eingebunden ist. Die Werte stammen dann aus dem BMS der Batterie. Wie die Einbindung läuft, steht im Beitrag BullTron-Batterie direkt am P-Bus einbinden.
Warum der Verlauf mehr sagt als der Momentanwert
Der Ladezustand schwankt im Tagesrhythmus: morgens am tiefsten, nachmittags am höchsten. Jeder einzelne Blick auf das Display trifft irgendeinen Punkt in diesem Rhythmus — und sagt deshalb nichts darüber, ob die Anlage im Gleichgewicht ist. Zwei Anlagen, die beide „73 Prozent" anzeigen, können auf völlig verschiedenen Wegen dorthin gekommen sein.
Der Verlauf legt die Tiefpunkte und die Hochpunkte nebeneinander. Erst daran wird sichtbar, ob die Batterie jeden Tag denselben Stand zurückgewinnt oder sich über Wochen nach unten arbeitet. Das ist eine Frage, die sich am Momentanwert grundsätzlich nicht beantworten lässt.
Vier Kurvenformen
Sägezahn mit gleichbleibenden Spitzen
Der Ladezustand fällt über Nacht und erreicht am folgenden Tag wieder annähernd denselben Höchstwert. Die Anlage ist im Gleichgewicht: Was entnommen wird, kommt zurück. Das ist der Normalfall bei ausreichender Ladeleistung und der Zustand, den man sehen möchte.
Sägezahn mit fallenden Spitzen
Die tägliche Schwankung bleibt, aber jeder Höchstwert liegt unter dem des Vortags. Die Ladebilanz ist negativ. Typische Ursachen sind zu wenig Solarertrag in der dunklen Jahreszeit, ein Verbraucher, der dauerhaft mitläuft, oder eine Fahrzeit, die für den Ladebooster zu kurz ist. Bleibt das Muster über Wochen, erreicht die Batterie irgendwann die Abschaltung durch das BMS — und zwar an einem Tag, der sich nicht aussuchen lässt.
Kurve, die den oberen Bereich nie erreicht
Der Ladezustand pendelt über Tage in einem mittleren Band und geht nicht bis nach oben. Die Ladung wird regelmäßig unterbrochen, bevor die Batterie voll ist — weil der Solarertrag am Nachmittag wegbricht oder die Fahrt endet, bevor die Absorptionsphase durch ist.
Für die Batterie selbst ist das unkritisch. Für die Planung bedeutet es, dass die nutzbare Reserve kleiner ist als die Nennkapazität, und für einen Shunt zusätzlich, dass der Abgleich auf die Vollladung ausbleibt und die Rechnung driftet. Bei direkt eingebundenen Batterien entfällt dieser zweite Effekt.
Langsamer Abfall im Stillstand
Das Fahrzeug oder Boot steht, trotzdem sinkt der Ladezustand stetig. Ein Verbraucher läuft mit, der nicht auf der Rechnung steht: ein Steuergerät im Standby, ein Kühlschrank, ein Gaswarner, ein Wechselrichter im Leerlauf. Der Verlauf zeigt, wie schnell die Anlage leerläuft, und liefert damit die Größenordnung, nach der zu suchen ist.
Einem Abfall nachgehen
- Zeitraum ablesen. Über wie viele Tage ist der Ladezustand um wie viel gefallen? Daraus ergibt sich der mittlere Strom, den Sie suchen.
- Aktuellen Strom prüfen. Was wird gerade entnommen? Weicht der Wert stark vom Mittel ab, läuft der Verbraucher nur zeitweise.
- Verbraucher einzeln abschalten. Nach jedem Schritt den Strom beobachten. Das Halbieren funktioniert hier genauso gut wie bei der Fehlersuche am Bus.
- Nach einigen Tagen erneut vergleichen. Erst der Verlauf zeigt, ob die Maßnahme gewirkt hat — der Momentanwert tut das nicht.
Beobachtung und Einordnung
| Im Verlauf zu sehen | Einordnung |
|---|---|
| Tägliche Schwankung, Spitzen bleiben gleich | Anlage im Gleichgewicht |
| Spitzen fallen über mehrere Tage | Ladebilanz negativ — Ladequelle oder Dauerverbraucher prüfen |
| Oberer Bereich wird nie erreicht | Ladung wird zu früh unterbrochen; nutzbare Reserve kleiner als gedacht |
| Abfall bei stehendem Fahrzeug | Ruhestrom suchen, beginnend bei Steuergeräten und Kühlung |
| Sprung nach oben ohne Ladung | Das BMS hat den Ladezustand neu abgeglichen — kein Fehler |
| Flacher Verlauf trotz Nutzung | Batterie hängt an einer Ladequelle, die dauerhaft trägt |
Der Verlauf ist ein Diagnosewerkzeug, keine Fehlermeldung. Er zeigt, wo zu suchen ist; gefunden wird die Ursache durch Messen an der Anlage.
Was der Verlauf nicht zeigt
- Keinen einzelnen Verbraucher. Er zeigt die Summe. Für einzelne Quellen und Verbraucher gibt es den Energie-Shunt.
- Keine Aussage zur Verkabelung. Ein Spannungsfall unter Last steht nicht in der Kurve — dafür ist der Beitrag Spannungsabfall eingrenzen da.
- Keinen Alterungszustand. Dafür sind die Zelldaten da, die die PCU bei direkt eingebundenen Batterien zusätzlich anzeigt.
- Keinen Grund, nur ein Muster. Zwei verschiedene Ursachen können dieselbe Kurve erzeugen.
Welche Werte die PCU sonst noch zur Batterie darstellt und wie sie einzuordnen sind, steht im Beitrag Batteriewerte an der PCU. Ob der Ladezustand über einen Shunt oder direkt aus dem BMS kommt, behandelt der Beitrag Shunt oder BMS-Daten.
Typische Fehler
- Aus einem Tag auf die Anlage geschlossen. Ein einzelner Tag sagt nichts; die Aussage steckt in der Folge der Spitzen.
- Den Abgleichsprung für einen Fehler gehalten. Ein Sprung nach oben ohne Ladung ist ein normaler Vorgang des BMS.
- Nach dem Abschalten eines Verbrauchers sofort geurteilt. Die Wirkung zeigt sich im Verlauf, nicht in der Minute danach.
- Ladezustand vor der Standzeit nicht notiert. Ohne Ausgangswert lässt sich nach der Rückkehr nichts einordnen.
- Nie erreichte Vollladung als Defekt gedeutet. Meist ist es eine zu kurze Ladephase, keine schwache Batterie.
