philippi Akademie

Mehrere PSU-Einheiten kombinieren: Reihe, parallel, Gesamtstrom

5 Min Lesezeit
Kurz beantwortet

Mehrere PSU-Einheiten lassen sich in Reihe oder parallel betreiben. Vor der Anordnung steht die Frage nach dem Engpass: fehlen Kanäle oder fehlt Strom — zwei verschiedene Probleme. Die Stromkreise werden nach Wichtigkeit, Gleichzeitigkeit und Bereich verteilt, kritische Kreise bewusst auf beide Einheiten. Zuleitung und Hauptabsicherung gehören dabei neu gerechnet.

Acht Kanäle reichen für einen kompakten Ausbau. Sie reichen nicht für ein gewachsenes Bordnetz mit getrennt bedienbaren Lichtkreisen, mehreren Pumpen, Antrieben und Sonderfunktionen. Dann werden mehrere Einheiten kombiniert — in Reihe oder parallel, je nachdem, was knapp ist.

Erst klären: Was ist knapp?

Vor der Frage nach der Anordnung steht die nach dem Engpass. Es gibt zwei, und sie verlangen unterschiedliche Lösungen:

  • Die Kanalzahl ist knapp. Zwölf Stromkreise, acht Ausgänge — der häufigste Fall. Hier braucht es schlicht mehr Ausgänge, nicht mehr Strom.
  • Der Gesamtstrom ist knapp. Acht Kreise genügen, aber die Summe der gleichzeitig laufenden Verbraucher überschreitet 90 A. Hier braucht es mehr Stromkapazität.

In der Praxis ist der erste Fall deutlich häufiger. Wer beide verwechselt, löst das falsche Problem: Zwei Einheiten, deren Kanäle zusammen kaum belastet sind, lösen kein Stromproblem — und eine größere Zuleitung schafft keinen zusätzlichen Ausgang.

Sinnvoll aufteilen

Sind zwei Einheiten gesetzt, ist die Aufteilung der Stromkreise keine Formsache. Drei Kriterien haben sich bewährt:

Nach Bereich. Alles, was räumlich zusammengehört, kommt an dieselbe Einheit. Das verkürzt die Leitungswege spürbar, wenn die Einheiten an verschiedenen Orten sitzen.

Nach Wichtigkeit. Kritische Kreise — Beleuchtung in Fluchtwegen, Lüftung, sicherheitsrelevante Verbraucher — nicht alle an dieselbe Einheit. Fällt eine aus, bleibt so ein Teil des Bordnetzes bedienbar.

Nach Gleichzeitigkeit. Verbraucher, die typischerweise zusammen laufen, auf verschiedene Einheiten verteilen. So bleibt die Belastung je Einheit gleichmäßiger, statt eine an die Grenze zu bringen, während die andere im Leerlauf steht.

HinweisDie drei Kriterien widersprechen einander gelegentlich. In dem Fall geht Wichtigkeit vor Gleichzeitigkeit und Gleichzeitigkeit vor Bereich — kurze Leitungen sind bequem, die Redundanz bei Ausfall ist wertvoller.

Die Zuleitung neu rechnen

Der Punkt, der beim Erweitern am häufigsten übersehen wird: Zwei Einheiten können zusammen mehr Strom ziehen als eine. Die Zuleitung von der Batterie und deren Absicherung sind auf den ursprünglichen Fall ausgelegt und gehören neu bewertet.

Maßgeblich ist wieder der realistische Gleichzeitigkeitsfall über beide Einheiten — nicht die Summe der Nennströme. Aber diese Summe steigt, und mit ihr der Querschnitt, den die gemeinsame Zuleitung braucht.

Zwei Wege sind gangbar: eine gemeinsame, entsprechend größer ausgelegte Zuleitung mit einer Verteilung nahe an den Einheiten — oder zwei getrennte Zuleitungen, jede eigenständig abgesichert. Der zweite Weg kostet mehr Kabel und bringt dafür echte Trennung: Ein Fehler in einem Zweig legt den anderen nicht still.

Dokumentation wird zur Pflicht

Bei einer Einheit ist die Belegungstabelle hilfreich. Bei zwei ist sie notwendig. Der Grund ist einfach: Es gibt nun zweimal einen „Kanal 3“, und die Frage, welcher gemeint ist, lässt sich am Gerät nicht ablesen.

Die Tabelle braucht deshalb eine Spalte mehr: Einheit, Kanal, Verbraucher, Strombegrenzung, Funktion. Die Einheiten selbst bekommen eine eindeutige Bezeichnung, die auch physisch am Gehäuse steht — nicht „oben“ und „unten“, denn das ändert sich beim nächsten Umbau.

Nach der Erweiterung prüfen

  • Zuleitung und Hauptabsicherung auf den neuen Gesamtfall geprüft.
  • Beide Einheiten eindeutig beschriftet, physisch und in der Konfiguration.
  • Belegungstabelle erweitert und ausgedruckt im Technikbereich hinterlegt.
  • Kritische Kreise verteilt, nicht auf einer Einheit gebündelt.
  • Ausfalltest gemacht: Was funktioniert noch, wenn eine Einheit spannungslos ist?

Typische Fehler

  • Das falsche Problem gelöst. Fehlende Kanäle und fehlender Strom sind zwei verschiedene Engpässe.
  • Zuleitung unverändert gelassen. Der Engpass wandert dann von der Einheit in das Kabel davor.
  • Alle wichtigen Kreise auf einer Einheit. Verschenkt die Redundanz, die die zweite Einheit mitbringt.
  • Einheiten nach Einbauort benannt. „Oben“ und „unten“ überleben den nächsten Umbau nicht.
  • Ausfall nie getestet. Erst der Test zeigt, ob die Aufteilung taugt.
FAQ

Häufige Fragen

Wann brauche ich eine zweite PSU?

Wenn die acht Kanäle nicht mehr reichen — der häufigere Fall — oder wenn der realistische Gleichzeitigkeitsfall die 90 A Gesamtstrom überschreitet. Beides sind verschiedene Engpässe und verlangen unterschiedliche Lösungen.

Kritische Kreise bewusst auf beide Einheiten, damit bei einem Ausfall ein Teil des Bordnetzes bedienbar bleibt. Danach nach Gleichzeitigkeit verteilen, damit die Belastung gleichmäßig bleibt, und zuletzt nach räumlicher Nähe für kurze Leitungswege.

Ja, das wird am häufigsten übersehen. Zwei Einheiten können zusammen mehr Strom ziehen als eine; Querschnitt und Hauptabsicherung gehören auf den neuen Gesamtfall gerechnet. Alternativ zwei getrennte, jeweils eigenständig abgesicherte Zuleitungen.

Passend zum Thema

Passende Produkte

Entwicklung philippi — Entwicklungsabteilung, philippi elektrische systeme GmbH

Verfasst und fachlich geprüft von der Entwicklungsabteilung der philippi elektrische systeme GmbH in Remseck am Neckar. Ändert sich eine Norm oder eine Produktspezifikation, wird der Beitrag überarbeitet und das Prüfdatum aktualisiert.

Entwicklung, Fertigung und Prüfung von Bordnetzkomponenten seit über vierzig Jahren

Erstellt 16.09.2026 · Zuletzt geprüft 09.09.2026

War dieser Beitrag hilfreich?

Etwas fehlt