Der Landanschluss ist die einzige Energiequelle an Bord, bei der ein Fehler unmittelbar Personen gefährdet. Entsprechend anders sind die Anforderungen: Fehlerstromschutz, eine Umschaltung, die zwangsläufig trennt, bevor sie verbindet, und ein Umgang mit dem Schutzleiter, der die Korrosion nicht verschlimmert.
Was eine Landanschlusseinheit leistet
Zwischen der Steckdose am Steg oder am Stellplatz und den Verbrauchern liegen mehrere Funktionen, die zusammengehören:
- Fehlerstromschutz. Trennt bei einem Isolationsfehler, bevor ein gefährlicher Strom über eine Person fließen kann.
- Leitungsschutz. Schützt die Zuleitung gegen Überlast und Kurzschluss.
- Polaritäts- und Netzkontrolle. Zeigt an, ob das Netz korrekt anliegt — an ausländischen Anlagen keineswegs selbstverständlich.
- Verteilung. Einzeln abgesicherte Wechselstromkreise statt einer Mehrfachsteckdose.
Kompakte Einheiten fassen diese Funktionen in einem Gehäuse zusammen. Verbreitet ist die Kombination aus Fehlerstrom- und Leitungsschutzschalter in einem Gerät mit 16 A und 30 mA Auslösestrom, dazu eine Kontrollanzeige.
Der Schutzleiter und die Korrosion
Hier liegt die Besonderheit gegenüber einer Hausinstallation. Der Schutzleiter verbindet das Bordnetz mit dem Erdungssystem der Anlage an Land — und damit indirekt mit allen anderen angeschlossenen Booten im selben Hafenbecken. Über das Wasser entsteht so ein geschlossener Kreis, in dem ein Strom fließen kann, der Metall abträgt.
Das Ergebnis ist galvanische Korrosion, und sie trifft nicht unbedingt das Boot, das den Fehler hat. Sichtbar wird sie an Anoden, die ungewöhnlich schnell verbraucht sind, und an Beschlägen unter Wasser.
Zwei Bauteile unterbrechen diesen Pfad, ohne die Schutzfunktion aufzuheben:
- Ein galvanischer Isolator sitzt im Schutzleiter und sperrt kleine Gleichspannungen, lässt aber einen Fehlerstrom im Ernstfall durch.
- Ein Trenntransformator trennt die Anlage vollständig und erzeugt an Bord ein eigenes Netz. Aufwendiger und schwerer, dafür die gründlichere Lösung.
WarnungDen Schutzleiter zu unterbrechen oder wegzulassen löst das Korrosionsproblem ebenfalls — und hebt gleichzeitig den Schutz gegen einen Isolationsfehler auf. Das ist kein Kompromiss, sondern ein Fehler mit Personengefährdung. Der Isolator ist genau deshalb so gebaut, dass er im Fehlerfall leitet.
Umschalten zwischen Quellen
Sobald neben Landstrom ein Generator oder ein Wechselrichter Wechselspannung liefert, muss zwischen den Quellen umgeschaltet werden. Die Grundregel: Es darf nie mehr als eine Quelle gleichzeitig aufgeschaltet sein, und die Umschaltung muss zwangsläufig sein — also mechanisch trennen, bevor sie verbindet.
Automatische Umschalteinheiten übernehmen das und priorisieren dabei nach Vorgabe: Liegt Landstrom an, wird er genutzt; fällt er weg, übernimmt der Wechselrichter. Manuelle Lösungen sind zulässig, müssen aber ebenfalls zwangsläufig getrennt sein — zwei getrennte Schalter, die sich gleichzeitig einschalten lassen, genügen dieser Anforderung nicht.
Zuleitung und Stecker
Das Anschlusskabel ist Teil der Installation und kein Verlängerungskabel. Maßgeblich sind drei Punkte: ein Querschnitt, der zur Absicherung und zur Länge passt, eine Ausführung für Feuchträume beziehungsweise Außenbereich, und eine Zugentlastung an der Einspeisestelle, damit Zug am Kabel nicht auf die Kontakte wirkt.
Ein häufiger Fehler ist die aufgerollte Kabeltrommel: Eine aufgewickelte Leitung unter Last erwärmt sich erheblich stärker als eine ausgelegte. Was an Land tolerierbar erscheint, ist in einem Stauraum eine Brandquelle.
Ladegerät am Landanschluss
Das Ladegerät ist auf der Wechselstromseite ein Verbraucher wie jeder andere und gehört auf einen eigenen, abgesicherten Stromkreis. Auf der Gleichstromseite ist es eine Ladequelle — mit allem, was dazugehört: eigene Leitung zur Batterie, Absicherung nahe der Batterie, Ladekennlinie passend zum Batterietyp.
Bei mehreren Ladequellen gilt derselbe Grundsatz wie überall: Die Ladeschlussspannungen müssen zueinander passen. Ein Ladegerät mit fester Bleikennlinie neben einem modernen Solarregler in einer Lithiumanlage bremst nicht nur, es verhindert die Vollladung.
Vor der Saison prüfen
- Auslösung des Fehlerstromschutzschalters mit der Prüftaste — der einzige Test, den jeder selbst machen kann und sollte.
- Netzkontrollanzeige beim Anstecken beobachten: zeigt sie einen abweichenden Zustand, wird nicht weitergeschaltet.
- Anschlusskabel und Stecker auf Verfärbung an den Kontakten prüfen — sie zeigt Übergangswiderstand und damit Erwärmung.
- Anoden begutachten. Ungewöhnlicher Abtrag ist ein Hinweis auf einen Korrosionspfad, nicht auf zu kleine Anoden.
Typische Fehler
- Schutzleiter unterbrochen, um Korrosion zu stoppen. Beseitigt die Korrosion und den Personenschutz.
- Zwei Quellen gleichzeitig aufschaltbar. Ohne zwangsläufige Trennung ein ernster Fehler.
- Kabel auf der Trommel belassen. Erwärmung unter Last, im Stauraum eine Brandquelle.
- Fehlerstromschutzschalter nie ausgelöst. Ein Gerät, dessen Funktion niemand prüft, ist kein Schutz.
- Ladegerät ohne eigene Absicherung an der Batterie. Die Gleichstromleitung ist ungeschützt über ihre volle Länge.
