Für den Fernzugriff braucht es ein Netzwerkinterface am Bus. Es hängt als normaler Teilnehmer am Bordnetz-Bus, bindet sich per Netzwerkkabel oder WLAN in den Router ein und stellt die Daten der zugehörigen App zur Verfügung. Ohne dieses Interface bleibt das Bordnetz auf den Systemmonitor beschränkt.
Was dafür nötig ist
Drei Dinge müssen zusammenkommen. Erstens ein funktionierender Bordnetz-Bus mit den Teilnehmern, deren Werte man sehen will — die App zeigt nichts an, was nicht gemessen wird. Zweitens das Netzwerkinterface. Drittens ein Netzwerk, in dem sich Interface und Endgerät treffen: an Bord oder im Fahrzeug meist ein kleiner Router, der ohnehin für Mobilfunk oder Landanschluss vorhanden ist.
Das Interface unterstützt beide Wege ins Netz — kabelgebunden über Ethernet und drahtlos über WLAN. Die Kabelvariante ist die unauffälligere: kein Empfangsproblem im Metallgehäuse, keine Neuverbindung nach einem Routerneustart. Wo sich das Kabel nicht legen lässt, tut es WLAN, dann aber mit Blick darauf, wo das Interface montiert wird.
HinweisDie App selbst ist kostenlos. Laufende Kosten entstehen nur für die Internetverbindung, wenn man von unterwegs zugreifen will — im lokalen Netz funktioniert der Zugriff auch ohne.
Lokal oder von unterwegs
Zwei Szenarien, die man auseinanderhalten sollte. Lokal heißt: Telefon oder Tablet sind im selben Netz wie das Interface. Das funktioniert ohne Internet und ist der Normalfall an Bord — die App wird zum zweiten, mobilen Monitor.
Von unterwegs heißt: Das Fahrzeug oder Boot hängt über Mobilfunk oder Landanschluss am Internet, und man schaut aus der Ferne nach. Das ist die Funktion, wegen der die meisten das Interface überhaupt einbauen — und diejenige mit den meisten Randbedingungen: Der Router muss durchgehend laufen, die Verbindung muss stehen, und die Anlage darf nicht stromlos sein.
Die Strombilanz nicht vergessen
Fernüberwachung bedeutet Dauerbetrieb. Systemmonitor, Netzwerkinterface und Router laufen rund um die Uhr, jedes davon mit einem kleinen, aber ständigen Verbrauch. In der Größenordnung einiger hundert Milliampere summiert sich das über einen Monat zu einer zweistelligen Amperestundenzahl.
Daraus folgt: Wer im Winterlager überwachen will, braucht entweder Landstrom, eine Solaranlage, die den Ruheverbrauch trägt, oder eine Batterie-Bank, die entsprechend ausgelegt ist. Der Widerspruch, alles abzuschalten und trotzdem sehen zu wollen, wie es der Batterie geht, lässt sich nicht auflösen.
WarnungEine Überwachung, die selbst die Batterie leert, ist schlechter als keine. Vor dem Winterlager gehört der Ruhestrom der gesamten Kette gemessen — nicht geschätzt.
Aufzeichnung und Auswertung
Interessant wird die Fernüberwachung weniger durch den Momentanwert als durch den Verlauf. Das Netzwerkinterface zeichnet Messwerte auf eine Speicherkarte auf; manche Systemmonitore können das ebenfalls. Aus diesen Aufzeichnungen lässt sich beantworten, was ein Blick auf die aktuelle Spannung nicht verrät.
- Erreicht die Batterie-Bank am Ende eines Ladezyklus wirklich die Ladeschlussspannung, oder bricht der Regler vorher ab?
- Wie tief geht die Entladung über Nacht — und wie verändert sich das über die Saison?
- Deckt der Solarertrag den Tagesverbrauch, oder zehrt jeder Tag ein Stück von der Reserve?
- Gibt es einen Verbraucher, der läuft, obwohl er nicht laufen sollte?
Diese Fragen sind auch die Brücke zur Fehlersuche: Ein sporadischer Fehler, der beim Danebenstehen nie auftritt, wird im aufgezeichneten Verlauf sichtbar.
Fremdgeräte einbinden
Das Netzwerkinterface hat zusätzliche Schnittstellen, über die Geräte angebunden werden können, die nicht am Bordnetz-Bus hängen — eine serielle Schnittstelle für Wechselrichter-Ladegeräte über deren Adapter und zwei Anschlüsse für Batteriebusse von Lithiumsystemen mit eigenem Managementsystem.
Der Nutzen liegt auf der Hand: Ladegerät, Batteriemanagement und Bordnetz erscheinen in derselben Ansicht, statt drei Apps und zwei Displays zu erfordern. Vor dem Kauf lohnt trotzdem die Prüfung, ob das konkrete Fremdgerät unterstützt wird — die Protokolle sind herstellerspezifisch und ändern sich mit Firmwareversionen.
Zugriff absichern
Ein Gerät, das aus der Ferne erreichbar ist, gehört abgesichert. Das Wesentliche ist unspektakulär und wirkt: Voreingestellte Passwörter am Router und an allen beteiligten Geräten ändern, das WLAN mit einem eigenen, nicht geratenen Schlüssel betreiben, Firmware aktuell halten und keine Portweiterleitungen einrichten, deren Zweck man nicht erklären kann.
Typische Fehler
- Interface ohne Messtechnik. Die App zeigt nur, was Shunts und Interfaces liefern. Ohne Batterie-Shunt kein Ladezustand.
- Ruhestrom unterschätzt. Dauerbetrieb von Monitor, Interface und Router über Wochen ist keine Kleinigkeit.
- Router als Schwachstelle übersehen. Fällt er aus, ist die Überwachung weg — und man merkt es meist nicht.
- WLAN durch Metall. Ein Interface tief im Schaltschrank hat selten guten Empfang.
- Standardpasswörter belassen. Der häufigste Fehler bei jedem vernetzten Gerät.
- Nur Momentanwerte betrachtet. Der Verlauf beantwortet die Fragen, die zählen.
