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SHX 348 oder SHX 648: den passenden Shunt bestimmen

6 Min Lesezeit
Kurz beantwortet

Entscheidend ist der höchste Strom über die Messstelle, nicht die Größe der Bank. Der SHX 348 trägt 300 A Dauerstrom (600 A für 1 min, 1500 A für 0,5 s) mit M8-Bolzen, der SHX 648 trägt 600 A (800 A für 1 min, 2500 A für 0,5 s) mit M16-Bolzen. Beide messen ab 10 mA mit ±0,5 Prozent über den gesamten Bereich, erfassen die Starterbatteriespannung ohne zweiten Shunt und nehmen den Temperatursensor TEMP-BT direkt auf.

Die Wahl zwischen den beiden P-Bus-Batteriemanagement-Shunts fällt nicht über die Größe der Batteriebank, sondern über den höchsten Strom, der über die Messstelle fließen kann. Das ist eine andere Rechnung — und sie führt regelmäßig zu einem anderen Ergebnis.

HinweisVor der Auswahl lohnt die Frage, ob überhaupt ein Shunt nötig ist: Eine BullTron-Batterie mit P-Bus-Freigabe meldet ihre Werte selbst. Die Abwägung steht im Beitrag Shunt oder BMS-Daten: woher der Ladezustand kommt.

Was beide gleich gut können

SHX 348 und SHX 648 sitzen in der Minusleitung der Batterie und melden Strom, Spannung und Kapazität an das P-Bus-Netzwerk. In vier Punkten unterscheiden sie sich nicht — und diese vier sind es, die einen Batteriemanagement-Shunt von einer reinen Strommessung trennen.

Messbereich ab 10 Milliampere

Beide beginnen bei 10 mA. Das klingt nach einer Randnotiz und ist der praktisch wichtigste Wert am ganzen Gerät. In dieser Größenordnung liegen die Ströme, die eine Bank unbemerkt leeren: ein Gerät im Standby, eine vergessene Elektronik, ein Verbraucher, den niemand auf der Rechnung hat.

Ein Gerät mit 30 Milliampere Ruhestrom entzieht der Bank rund 0,7 Amperestunden am Tag und fünf pro Woche. Ein Shunt, der erst ab einem knappen Ampere auswertet, zeigt dabei sauber null an — und die Bank ist nach vier Wochen trotzdem leer, ohne dass sich die Ursache finden lässt. Erst eine Auflösung im Milliamperebereich macht diese Suche überhaupt möglich.

±0,5 Prozent über den gesamten Bereich

Die zweite Hälfte der Aussage ist die entscheidende: Die Genauigkeit von ±0,5 Prozent gilt bei beiden über den gesamten Messbereich — beim SHX 648 also über fünf Größenordnungen, vom Milliampere-Ruhestrom bis zu 600 Ampere.

Warum das mehr ist als eine Datenblattzeile: Der Ladezustand ist keine Messung, sondern eine laufende Rechnung. Jeder einzelne Messwert geht in eine fortlaufende Amperestundenbilanz ein, und Messfehler summieren sich über Tage auf, statt sich auszugleichen. Ein Shunt, der nur bei hohen Strömen genau ist, liefert deshalb eine Anzeige, die im normalen Standbetrieb langsam wegläuft — nicht sprunghaft, sondern schleichend, und damit besonders schwer zu bemerken.

Starterbatteriespannung ohne zweiten Shunt

Beide Shunts messen die Spannung der Starterbatterie direkt mit. Ein zweiter Shunt ist dafür nicht nötig — eine Annahme, die sich hartnäckig hält und die Planung unnötig verteuert.

Damit ist der praktisch häufigste Fehlerfall abgedeckt: eine Starterbatterie, die über Wochen nicht mehr nachgeladen wird, weil Trennrelais oder Ladewandler nicht mehr arbeiten. Diesen Zustand meldet die Spannung frühzeitig — lange vor dem Startversuch, bei dem er sonst auffällt.

Batterietemperatur direkt am Shunt

Auch die Temperatur wird direkt an der Messstelle erfasst: Der Temperatursensor TEMP-BT wird am Shunt angeschlossen, die Temperatur erscheint zusätzlich zu Strom, Spannung und Kapazität am System-Monitor. Ein separates Temperaturinterface ist dafür nicht erforderlich.

Das ist mehr als eine Anzeige. Die entnehmbare Kapazität einer Batterie hängt von ihrer Temperatur ab, und bei LiFePO4 ist die Ladung unterhalb des Gefrierpunkts der Punkt, an dem Schaden entsteht. Wer die Temperatur nicht kennt, kennt auch den Ladezustand nur ungefähr.

Beide haben außerdem einen galvanisch isolierten P-Bus-Anschluss. Das erlaubt es, auch eine vom Bordnetz getrennte Batteriegruppe zu überwachen — etwa eine Notbatterie für Funkanlagen —, ohne über die Messleitung eine ungewollte Verbindung herzustellen.

Der Unterschied in Zahlen

Der SHX 348 ist für 300 A Dauerstrom ausgelegt und verträgt kurzzeitig 600 A für eine Minute sowie 1500 A für eine halbe Sekunde. Der Anschluss erfolgt über einen Bolzen M8, die Betriebsspannung liegt bei 8–64 V, die Stromaufnahme bei 20 mA und 5 mA im Sleep-Modus. Er misst 118 x 40 x 65 mm.

Der SHX 648 trägt 600 A Dauerstrom, kurzzeitig 800 A für eine Minute und 2500 A für eine halbe Sekunde. Sein Anschlussbolzen ist M16, die Betriebsspannung 8–60 V, die Stromaufnahme 6 mA bei 12 V. Er baut mit 185 x 44 x 75 mm entsprechend größer.

Der Anschlussbolzen ist dabei mehr als eine Zahl im Datenblatt: M8 und M16 verlangen unterschiedliche Kabelschuhe, und wer sie erst beim Einbau auswählt, hat regelmäßig die falschen da.

Wie man den maßgeblichen Strom bestimmt

Drei Werte gehören in die Rechnung, und der größte davon entscheidet:

  1. Dauerstrom im Normalbetrieb. Die Summe dessen, was üblicherweise gleichzeitig läuft.
  2. Anlaufspitzen. Was zieht der größte Verbraucher beim Start? Kompressoren, Pumpen und Wechselrichter unter Last liegen deutlich über ihrem Betriebswert.
  3. Kurzschlussstrom. Was muss die Messstelle aushalten, bis die Hauptsicherung auslöst? Bei LiFePO4-Bänken liegt dieser Wert erheblich höher als bei Blei.

Ein Bordnetz mit Kühlung, Beleuchtung, Pumpen und einem kleinen Wechselrichter bleibt in aller Regel deutlich unter 300 A und ist beim SHX 348 richtig aufgehoben. Kommen Bugstrahlruder, Ankerwinde oder ein großer Wechselrichter hinzu, sind Spitzen darüber der Normalfall — dann gehört die Messstelle entsprechend größer ausgelegt.

WarnungEin zu klein gewählter Shunt begrenzt den Strom nicht, er wird warm. Und Erwärmung verändert den Widerstand des Messelements und damit die Messung — das Gerät fällt nicht aus, es misst still falsch.

Anschluss und Zubehör

Beide Shunts beziehen ihre Stromversorgung über die vorhandene Spannungsmessleitung — ein zusätzliches Versorgungskabel ist nicht nötig. Die P-Bus-Anbindung erfolgt über M12-Steckverbinder.

Beim SHX 648 stellt sich zusätzlich die Frage, wie die Lastseite verteilt wird. Dafür gibt es die Shunt-Anschlussschiene SAS 4, die passend zum M16-Bolzen mehrere Kabelanschlüsse bereitstellt. Das ist nicht nur bequemer, sondern auch die saubere Lösung für die Grundregel jeder Shunt-Installation: An den Batterieminuspol kommt genau eine Leitung, nämlich die zum Shunt; alles übrige liegt auf der anderen Seite.

Wann ein zweiter Shunt tatsächlich nötig wird

Für Spannung und Temperatur der zweiten Batterie braucht es keinen zweiten Shunt — beides leistet der vorhandene. Ein zweiter Shunt wird aus genau einem Grund gesetzt: wenn auch für die zweite Bank eine vollständige Strombilanz mit Ladezustand gewünscht ist.

Das ist bei einer klassischen Starterbatterie selten nötig. Sie sieht kurzzeitig sehr hohe Ströme, aber kaum Dauerlast, und die Frage an sie lautet nicht „wie voll ist sie“, sondern „ist sie da, wenn ich sie brauche“ — und die beantwortet die Spannung. Anders sieht es aus, wo die zweite Bank mehr tut als starten, etwa als Puffer für eine Winde oder als zweite Verbraucherbank.

Davon zu unterscheiden ist der Energie-Shunt: Soll der Ertrag einer Solaranlage oder der Verbrauch eines einzelnen Geräts erfasst werden, ist das keine Batteriemessung, sondern eine Energiemessung — dafür tritt ein Energie-Shunt neben den Batteriemanagement-Shunt, er ersetzt ihn nicht.

Typische Fehler

  • Nach Bankgröße statt nach Strom ausgelegt. Eine große Bank mit kleinen Verbrauchern braucht keinen großen Shunt — eine kleine Bank mit einem Bugstrahlruder schon.
  • Zweiten Shunt für die Starterbatteriespannung eingeplant. Spannung und Temperatur der zweiten Batterie erfasst der vorhandene Shunt bereits.
  • Kurzschlussstrom nicht bedacht. Bei Lithium liegt er erheblich über dem, was Bleianlagen liefern.
  • Kabelschuhe erst beim Einbau bestellt. M8 und M16 sind verschiedene Welten.
  • Eine Masse bleibt am Batteriepol. Der häufigste Installationsfehler überhaupt — und der, der am spätesten auffällt.
  • Auf die untere Messgrenze nicht geachtet. Ohne Auflösung im Milliamperebereich bleibt jede Suche nach unerklärlichen Verlusten ergebnislos.
FAQ

Häufige Fragen

Richtet sich die Shunt-Größe nach der Batteriekapazität?

Nein, nach dem höchsten Strom über die Messstelle. Maßgeblich sind Dauerstrom im Normalbetrieb, Anlaufspitzen des größten Verbrauchers und der Kurzschlussstrom, den der Shunt bis zum Auslösen der Hauptsicherung aushalten muss.

Weil Ruheströme genau in dieser Größenordnung liegen. Ein Gerät mit 30 mA entzieht der Bank rund 0,7 Amperestunden am Tag und fünf pro Woche. Ein Shunt, der erst ab einem knappen Ampere auswertet, zeigt dabei null an — die Bank ist trotzdem leer, und die Ursache bleibt unauffindbar.

Nein. Die Spannung der Starterbatterie misst der vorhandene Shunt direkt mit, ebenso die Batterietemperatur über den Sensor TEMP-BT. Ein zweiter Shunt wird erst dann nötig, wenn auch für die zweite Bank eine vollständige Strombilanz mit Ladezustand gewünscht ist — bei einer klassischen Starterbatterie ist das selten der Fall.

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Erstellt 16.09.2026 · Zuletzt geprüft 09.09.2026

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