Die PSU Switching Unit 9012-8 ADV hat acht Ein- und acht Ausgänge, trägt 90 Ampere Gesamtstrom und bis zu 25 Ampere je Kanal. Diese drei Zahlen bestimmen die gesamte Planung — und sie werden regelmäßig in der falschen Reihenfolge betrachtet.
Die drei Grenzen und ihre Rangfolge
Bei einem digitalen Schaltmodul gibt es drei Obergrenzen, die gleichzeitig eingehalten werden müssen:
- Kanalstrom. Bis zu 25 A je Ausgang. Der größte Einzelverbraucher an einem Kanal muss darunter bleiben — inklusive seines Anlaufstroms.
- Gesamtstrom. 90 A kontinuierlich über alle Kanäle. Acht Kanäle zu 25 A ergeben rechnerisch 200 A; dieser Fall ist nicht vorgesehen und muss es auch nicht sein.
- Kanalzahl. Acht Ausgänge. Das ist in der Praxis die Grenze, an die man zuerst stößt.
Die richtige Reihenfolge beim Planen ist genau umgekehrt zur Intuition: erst Kanalzahl, dann Gesamtstrom, zuletzt Kanalstrom. Denn die Anzahl der Stromkreise steht am Anfang fest, während sich die Ströme noch verteilen lassen.
Gleichzeitigkeit statt Addition
Die 90 A Gesamtstrom sind kein Grund zur Sorge, solange man realistisch rechnet. Entscheidend ist nicht die Summe aller angeschlossenen Verbraucher, sondern die Summe derer, die gleichzeitig laufen.
Ein Beispiel aus dem Ausbau: Vier gedimmte Lichtkreise zu je 10 A, eine Leselampe mit 10 A, eine Kühlbox mit 15 A, ein geschalteter Wechselrichterfreigabekreis und ein Dauerplus mit 5 A. Auf dem Papier stehen dort mehr als 90 A — tatsächlich laufen die Lichtkreise selten gleichzeitig auf voller Helligkeit, und die Kühlbox taktet.
Die Planungsgröße ist deshalb der realistische Gleichzeitigkeitsfall, nicht das theoretische Maximum. Wer trotzdem sicher gehen will, plant den ungünstigsten realistischen Fall: den Abend, an dem alles Licht an ist, die Kühlung läuft und die Pumpe anspringt.
Verbraucher auf Kanäle zuordnen
Zwei Prinzipien haben sich bewährt.
Nach Funktion gruppieren, nicht nach Ort. Alles, was gemeinsam ein- und ausgeschaltet wird, gehört auf einen Kanal. Alles, was unabhängig geschaltet werden soll, braucht einen eigenen. Der häufigste Planungsfehler ist es, zwei Kreise zusammenzulegen, die später doch getrennt bedient werden sollen — und die Erkenntnis kommt nach dem Einbau.
Die Sonderfälle zuerst setzen. Ausgänge mit besonderen Anforderungen — dimmbar, Motorsteuerung über die H-Brücke, Dauerplus ohne Abschaltung — werden zuerst verplant. Die einfachen Ein-Aus-Kreise passen danach überall hin.
HinweisDie Eingänge sind den Ausgängen fest zugeordnet: Eingang 1 gehört zu Ausgang 1 und so weiter. Beim Planen der Taster lohnt es sich, diese Zuordnung von Anfang an mitzudenken, statt sie später zu suchen.
Eine Belegung, die man aufschreibt
Die Belegung gehört in eine Tabelle, bevor das erste Kabel liegt. Vier Spalten genügen: Kanal, Verbraucher, Strombegrenzung, Funktion.
Der Nutzen zeigt sich erst später. Ein digitales Schaltmodul hat keine beschrifteten Sicherungen, an denen man ablesen könnte, was wohin gehört — die Zuordnung existiert in der Konfiguration und im Kopf desjenigen, der sie gemacht hat. Eine ausgedruckte Tabelle im Technikschrank ist deshalb kein Bürokram, sondern der Ersatz für die Beschriftung, die es früher am Sicherungshalter gab.
Reserve einplanen
Acht Kanäle klingen nach viel und sind im Ausbau schnell belegt. Ein Kanal, der frei bleibt, ist deshalb keine Verschwendung, sondern die einzige Reserve, die ohne Umbau nutzbar ist.
Wächst die Anlage über acht Kreise hinaus, lassen sich mehrere Einheiten in Reihe oder parallel betreiben. Das ist der saubere Weg — sauberer jedenfalls, als zwei Verbraucher auf einen Kanal zu legen, die eigentlich getrennt gehören.
Vor dem Einbau prüfen
- Jeder Kanal hat genau einen Zweck und dieser Zweck ist notiert.
- Der größte Verbraucher je Kanal liegt inklusive Anlaufstrom unter 25 A.
- Der realistische Gleichzeitigkeitsfall bleibt unter 90 A.
- Dimmbare Kreise sind als solche verplant — nicht jeder Verbraucher verträgt Dimmen.
- Mindestens ein Kanal ist frei oder die Erweiterung ist eingeplant.
Typische Planungsfehler
- Alle Ströme addiert. Führt zu dem Schluss, das Modul sei zu klein — obwohl der reale Gleichzeitigkeitsfall weit darunter liegt.
- Anlaufstrom vergessen. Pumpen und Kompressoren ziehen beim Start ein Vielfaches ihres Dauerstroms.
- Zwei Kreise auf einen Kanal. Spart einen Ausgang und kostet die getrennte Bedienbarkeit.
- Keine Belegungstabelle. Ohne sie ist die Zuordnung nach zwei Jahren rekonstruierbar, aber nur mühsam.
- Alle acht Kanäle belegt. Der erste zusätzliche Verbraucher erzwingt dann eine Umplanung.
